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Hans Tutschku

"Wind sei stark"

Spätsommer 1989, Deutsche machen sich gerade in Scharen von Ost nach West auf – Botschaftsflüchtlinge in Warschau und Prag, Grenzöffnungen in Ungarn – und an den Montagen protestiert man gegen Wahlfälschung und andere Betrügereien, die Medien schießen sich auf die kommende Jahrhundert-Sensation ein. In diesen Wochen beginnen wir unsere Dreharbeiten zu einem scheinbar völlig unzeitgemäßen Film. Drei Windradbauer sprechen über ihre Windräder und zugleich über sich, Musiker spüren intuitiv der Räderbauer Motiv, Tänzer erkennen, daß in der Mechanik der Räder sich menschlicher Sinn verbirgt.

Ein Kameraassistent fragt provokativ, was der aktuelle Sinn dieser unserer Veranstaltung sei und kann sich erst beruhigen, als der Drehstab gemeinsam mit dem mitwirkenden Ensemble für intuitive Musik mit einem selbst gebastelten Windrad an einem Montag in Leipzig demonstrieren geht. Der fertige Film schafft es im Spätherbst seltsamerweise nach Oberhausen zum Dokfilmfestival und erntet dort Unverständnis, Kopfschütteln und Ablehnung. Ein geneigter Kritiker erlaubt sich gegenüber dem Autor die Frage, was denn ein solcher Film in seiner spielerischen Harmlosigkeit soll und wo sich seine gesellschaftspolitische Relevanz verberge. Ich antworte, daß ich es auch nicht genau sagen kann aber irgendwie ahnte, daß es nach all der verständlichen Masseneuphorie und – hysterie schon bald wieder mehr auf den Einzelnen ankommen wird, daß dieser Einzelne eines Morgens aufwachen und sich fragen muß, wer bin ich ohne die anderen, was kann ich noch, wer nimmt mich war, und vor allem, was bin ich mir selbst wert. ‚Wind sei stark‘ – vielleicht ein vorweggeahnter Hilferuf ? Ein Windrad dreht nicht ohne Gegenwind. Es kann erschüttert, entwurzelt und fortgetragen werden.

Der Teerfahrer Kresse baut sein luftiges Höhen-Rad gegen seine quälenderHöhenangst. Der Vermessungsingenieur Schaffer richtet sein farbenfrohes Rad gegen eine belebte ohrenbetäubende schmutzige Straßenkreuzung und fühlt sich unter den vergnügten und scheinbar zwecklosen Drehungen der Flügel frei. Der Maler Sakulowski hält seine Räder für selbstbewußte Gebilde, die ihr ausgesprochenes Eigenleben führen, Gegenstücke zu innerer Zerrissenheit darstellen, und es schafft ihm innere Genugtuung, sie aus der Gefahr des Absterbens erlöst zu haben. Zweimal sieben Jahre sind seither vergangen. Die Botschaft der Windräder gilt: Wind sei stark.

(Jochen Kraußer)

QuickTime Video Ausschnitt:


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