KLANGHOCHSPANNUNG

1998
12-kanalige Klanginstallation zur IMAGINATA JENA
UMSPANNWERK

Das Projekt "Klanghochspannung" wurde speziell für die Imaginata 1998 und das Umspannwerk konzipiert.

Auf den 4 Ebenen des technischen Denkmals wurden 12 Lautsprecher installiert, die das Ambiente von Maschinen- und Industrieklängen wiedergeben. Klangbewegungen und Synchronisation der akustischen Ereignisse wurden mit einem speziell dafür entwickelten Computerprogramm gesteuert.

Die Situation des gegebenen Raumes wurde unterstrichen und kontrastiert: das optische Ambiente der Isolatoren und Elektroinstallationen erfuhr eine akustische Überhöhung durch ständig wechselnde Klangwelten.

Das Klangmaterial bezog sowohl Maschinen- und Umweltklänge als auch Aufnahmen nichteuropäischer Kulturen ein. Die Computerinstallation beruhte auf einem Kompositionsprinzip, das ständig neue Zusammenstellungen des Klangmaterials ermöglicht und dadurch eine "endlose" Performance ohne Wiederholungen schafft.

Die Zuhörer bewegten sich auf den unterschiedlichen Ebenen und erfuhren verschiedene Perspektiven, die jeweils von ihrer Position abhing.

Hören lernen mit allen Sinnen

"Imaginata" in Jena will das menschliche Vorstellungsvermögen fördern - Teil der Expo 2000
Von JAN KANTER

Jena - Das Geräusch - ein tiefer Baßton - ist nicht genau zu orten. Wie ein zäher Brei wabert es um die Knöchel. Die Schallwellen bringen selbst zentimeterdicke Stahlplatten, die im zweiten Stock der Maschinenhalle als Fußboden dienen, zum Vibrieren. Ein Stück weiter, auf einer Eisentreppe, scheint der Klang auf einmal weit entfernt, nur noch ein beruhigendes Brummen dringt ins Ohr.

Über vier Etagen reicht die Klanginstallation des Weimarer Komponisten Hans Tutschku. Im zentralen Maschinenraum des alten Umspannwerkes Jena-Nord hat Tutschku zwölf Lautsprecher aufgestellt, die den Raum, in dem noch die Transformatoren und Porzellanisolatoren von 1926 stehen, mit einem Klangteppich von Industrie- und Elektronikgeräuschen erfüllen. Ein Computer sorgt dafür, daß sich die Komposition ständig verändert.

Die eigenwillige Installation auf dem Gelände des Umspannwerkes ist Teil der Sommer-Imaginata 1998: "Hören mit allen Sinnen" ist der Titel der Veranstaltung, die eine Mischung aus Ausstellung, Science-Park, Workshop, Festival und Ferienlager für Schüler ist. "Die Imaginata ist aus der Idee heraus entstanden, daß die Vorstellungskraft gefördert werden muß", sagt Imaginata-Sprecherin Dorothee von Wulffen. Rund 50 Experimente, Exponate und Installationen zum Thema Hören und Wahrnehmen stehen auf dem "Stationenpark" in und um das ehemalige Umspannwerk, einem Bauhaus-Gebäude aus dem Jahr 1926. Fünf Tage lang können die Besucher bis Dienstag über das Gelände stromern und unter anderem in einer silbrig-metallischen, auf Stelzen stehenden "Tuschel-Muschel" das Prinzip der Schallwellen ausprobieren, in einem "Bambuarium" selber Instrumente aus Bambus erfinden oder auch nur einfach einen Hörtest machen. Außerdem gibt es Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen.

Die Welt 20.7.98